Weltnotwerk e.V. Solidaritätsaktion der KAB

Menschen in Kenia in Sorge – Ausfall von Weizenlieferungen und steigenden Rohstoffpreisen

Mit den Aufhebungen der Covid-19 Restriktionen, d.h. der Aufhebung der Ausgangssperre und der Lockerungen der Reiseverbote, haben sich die wirtschaftlichen Aktivitäten auch im informellen Sektor erleichtert. Die Regierung und die Weltbank deuten bereits auf eine robust erholende Wirtschaft hin.

 

Die Bürger empfinden aber genau das Gegenteil. Im Februar war die Inflationsrate mit 6,23% die Höchste, bezogen auf das letzte Jahre. Dies treibt insbesondere Menschen niedriger und mittlerer Einkommen in die Armut. Die meisten Leute können den Preissteigerungen nicht ausweichen, so wie Joel Muriungi, ein Schweißer in der Diözese Meru.  Zitat von ihm:  "Ein Fenster mit 4 Zoll * 3 Zoll Metallrahmen ist von Ksh 4.500 auf derzeit Ksh 6.500 gestiegen, weil die Preise für Metallstäbe gestiegen sind.“  Andere versuchen ihre Preise noch zu halten. Wachira, Supervisor bei Eldoret Express, einem Unternehmen für öffentliche Verkehrsmittel, das im Nordgraben und im Westen Kenias unterwegs ist, sagt: "Die Dieselpreise sind um 5 Ksh pro Liter gestiegen, aber wir haben die Fahrpreise nicht erhöht, weil sich die Fahrgäste über die hohen Lebenshaltungskosten beschwert haben". Er fährt fort: "In Wirklichkeit wird die Gewinnspanne von Tag zu Tag kleiner, wenn man die anderen Gemeinkosten des Transportunternehmens berücksichtigen muss, z.B. Ersatzteile, Löhne und Gehälter.“

 

Ganz dramatisch ist die Situation bei den Grundnahrungsmitteln.

 

Im Monat März beklagen sich die Menschen am unteren Ende der Pyramide über die anhaltend hohen Preise für Lebensmittel, die für viele unerschwinglich geworden sind. Der Anstieg der Preise für Lebensmittel wie Milch, Mehl und Getreide zwingt die Menschen dazu, ihre Mahlzeiten zu rationieren oder ganz auszulassen.  Die Meinung der Mehrheit der Kenianer wird auch von Jane Muthaura von der Diözese Meru und Emma Njogu (eine kleine Einzelhändlerin) in Murang'a geteilt,  die beispielsweise den Preis für 10-Liter-Speiseöl anführt. Er ist von Ksh.1.200 im Dezember auf Ksh 2.800 im März dieses Jahres angestiegen. Sie sagt, dass sich auch andere Haushaltsartikel wie Waschmittel, Milch, Zucker, Reis usw. extrem verteuert haben, was den einfachen Mann oder Frau überfordert.

Sarah, eine Kioskverkäuferin, beklagt, dass sie ihren Kartoffelhandel wegen der hohen Kosten aufgegeben musste. Im Februar kostete ein Sack 2.400 ksh, derzeit liegt er bei 3.400 ksh.

Stephen K Ngigi, ein Superstore-Vertriebshändler für Supermärkte im Westen Kenias und an der Ostküste berichtet, dass die Kosten für Weizenmehl innerhalb von 1 Jahr um fast 50 % gestiegen sind.

 

Was sind die Ursachen hierfür?

 

Hinter den Ländern der EU sind Russland und die Ukraine die größten Weizenexporteure nach Kenia. Das Land importiert etwas mehr als 800.000 Tonnen sowohl aus der Ukraine als auch aus Russland. Mit dieser Art der Versorgung, werden die Schocks des Krieges sicherlich zu spüren sein.  Hinzu kommen nur noch geringe Vorräte aufgrund der Trockenzeit.

 

Die Politik der Regierung, zuerst einheimische Produkte zu beschaffen, bevor sie importiert werden, entschärft die Lage jedoch nur wenig.

 

Die CWM Kenia aktiviert in dieser Situation ihre Mitglieder:

 

Durch verbesserte und zugängliche Kredite können unsere Mitglieder erschwingliche Kredite von den CWM-HISA-Gruppen (kleine Ortsgruppen vergeben Kredite aus  den von eigenen Mitgliedern gesammelten Spareinzahlungen) z.B. zum Kauf von Saatgut, Düngemittel erhalten. Auch diese Preise waren in den letzten Wochen extrem angestiegen.  Viele Pfarreien und Priester engagieren sich bei der Beschaffung zusätzlicher Mittel während der Pflanzsaison.

 

Nun kann die CWM Kenia ihren entwickelten Strategieplan umsetzen, indem ihre Mitglieder in regionalen Zentren Aktionsgruppen bilden. Ziel ist es, dass die Mitglieder günstige Möglichkeiten, z.B.  im Agrarsektor, eruieren oder mit anderen nichtstaatlichen Akteuren der Region zusammen arbeiten. Wenn die Mitglieder  in der Wertschöpfung, Lagerung oder Maximierung der Produktion befähigt werden, können sie eigene Bio-Lebensmittel in ihren Gärten produzieren und so gegen einigen der aufkommenden Probleme wie der steigenden Lebensmittelpreise anzugehen. Dazu gehört auch, dass die Caritas Mitglieder in der Milchwirtschaft geschult hat.

 

Die Krise fordert zu schnellem Handeln auf. Nicht der langsame Apparat der Regierung schafft dies, sondern Basisgruppe wie die der CWM Kenia, die nun verstärkt Partnerschaften eingehen, um Know-how zur Sensibilisierung von neuen Anbaumethoden zu vermitteln oder um die Wertschöpfung für landwirtschaftliche Produkte zu entwickeln. Menschen müssen diversifizierte Einkommensmöglichkeiten in diesen unsicheren Zeiten haben.

(Auszüge aus dem Bericht von Douglas Mutembei, Kenia im März 2022)

 

Foto: Douglas Mutembei

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