Weltnotwerk e.V. Solidaritätsaktion der KAB

Genug zum leben? – Wir haben uns zu sehr in der Ungerechtigkeit eingerichtet-

Im Rahmen des Weltmissionsmonates von Missio München und Weltkirche im Bistum Eichstätt fand in Nürnberg eine Podiumsdiskussion mit Teilnehmern aus Kirche, Politik, der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und Domitila Mwelu Kaluki, einem Gast der Christian Workers Movement (CWM) Kenia statt. Auf die erste Frage nach prekären Arbeitsverhältnissen von dem Moderator Bernhard Löhlein von Radio K1, berichtete Michael Ziegler von der SPD Stadtratsfraktion, dass die Schere von arm und reich rasant zunimmt. Besonders betroffen sind freischaffende Künstler, Alleinerziehende und Migranten. Insbesondere der Niedriglohnsektor rutscht regelrecht weg. Domitila Mwelu Kalkuki bemerkt, dass allein in Kenia über 4 Millionen Kenianer hungrig schlafen gehen. Es gibt aufgrund des Klimawandels kaum Ernten, Getreidelieferungen durch den Ukrainekrieg fallen aus. Und in dieser Situation interessiert sich der Staat nicht für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Junge Menschen, selbst Studenten, suchen verzweifelt Arbeit. U.a. bewerben sie sich in arabischen Ländern, wo sie jedoch wie Sklaven ausgebeutet werden. Vetternwirtschaft und Korruption breiten sich weiter aus, Arbeitsverträge werden oft nur noch auf 6 Monate befristet. Arbeitsstunden werden zunehmend gar nicht mehr bezahlt. Diebstahldelikte nehmen zu. Alkoholismus und Drogenkonsum breiten sich insbesondere bei jungen Kenianern rasant aus. Joachim Schmitt von der KAB Würzburg beobachtet, dass die Armut die ganze Zeit vorhanden war, aber man sich daran gewöhnt habe. Wir haben uns regelrecht in der Ungerechtigkeit eingerichtet. Mit Corona, dem Ukrainekrieg und dem Klimawandel stürzen wir in regelrechte Megakrisen. Aufpreise für Diesel oder Nahrungsmittel drücken gerade in afrikanischen Ländern die Menschen in die Not. Die Länder kollabieren. Wir benötigen eine Teilhabegerechtigkeit, so Joachim Schmitt. Gewinne müssen abgeschöpft werden.  Auch wenn die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf die Frage von Bernhard Löhlein nach Beispielen der Hoffnung nachfragt, scheint es den Zuhörern eher vorzukommen, wie der „Tropfen auf dem heißen Stein“. So berichtet Domitila Mwelu Kalkuki von dem alkoholsüchtigen Zacharias, den sie regelrecht von der Straße aufgepickt hat und in das von Ehrenamtlichen in ihrer Heimat in Muranga/Kenia notdürftig aufgebauten Rehabilitationshaus brachte. Heute ist er „trocken“ und leitet sogar das Zentrum. Nur, es gibt noch viele alkoholkranke junge Männer, auch in Muranga.  Msgr. Wolfgang Huber, Präsident von Missio München, bestätigt die gemachten Beobachtungen, dass durch die Krisen verstärkt Probleme wie den Menschenhandel, die Prostitution oder die Kinderarbeit massiv auch afrikanischen Ländern zunehmen. Er stellt die Frage, wie es in der heutigen Zeit ermöglicht werden kann, dass Menschen nicht nur überleben, sondern auch wieder Freude am Leben haben? Es muss den Menschen die Würde zurückgegeben werden. Das ist Lebensqualität. Die Podiumsrunde fragt sich, ob die Kirche weiterhilft. Msgr. Wolfgang Huber sieht wie in einer Bischofskonferenz in Tansania erste zarte Ansätze hinsichtlich der Einforderung von Unterstützung durch die Politik, was aber praktisch derzeit nicht stattfindet. Joachim Schmitt ergänzt, dass junge Menschen in Afrika ihre Hoffnung bereits verloren haben. Ein Ansatz für Afrika könnte unter anderem das Modell der in Deutschland erfolgreich praktizierten Berufsaubildung sein, wie ein junge Praktikanten aus Tansania, die derzeit in Deutschland arbeitet, anregt. Msgr. Wolfgang Huber sieht aber auch mit Sorge auf das Spendenaufkommen in diesem Herbst. Neben der eigenen Sorge um das tägliche Auskommen werden Spender vermutlich noch stärker auf die Qualität der Arbeit der Spendenorganisationen schauen, so seine Einschätzung. Alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass es wichtig ist, auf die weltweiten Sorgen und Nöte der Menschen immer wieder hinzuweisen. Wir dürfen nicht nachlassen.

Foto: Andreas Holl

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