Das Weltnotwerk der KAB

Aufruf zum Tag der Arbeit 2010

Aufruf zum Tag der Arbeit 2010

Die der Weltbewegung Christlicher Arbeiter (WBCA) angeschlossenen Bewegungen
drücken ihre Solidarität aus mit den Arbeitern und Arbeiterinnen auf der ganzen Welt
und teilen mit ihnen ihre Ängste und Sorgen gegenüber der Arbeitslosigkeit und Armut,
die durch die weltweite Wirtschaftskrise verstärkt wurden.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat zur weltweiten Arbeitskrise unterstrichen, dass
„das, was als eine Krise der Finanzmärkte begann, verwandelte sich bald in eine globale Krise
auf dem Arbeitsmarkt, die Entbehrungen und Armut in das Leben zahlreicher
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, ihre Familien und Gemeinschaften brachte.“
Wir dürfen nicht vergessen, dass vor dieser Krise, als das weltweite Wachstum hoch war, ein
großer Teil der Bevölkerung schon die Probleme des Zugangs zu Nahrung, Gesundheit,
Gemeinwohl kannte, in äußerster Armut oder informeller Wirtschaft lebte und sah, wie die
wirtschaftlichen und die sozialen Ungleichheiten größer wurden.

Diese Situation wurde durch die Krise verschärft: Viele Unternehmen stellten kein Personal
mehr ein und einige von Ihnen mussten und müssen eine große Anzahl von Arbeitern
entlassen. Dies hat viel Leid hervorgerufen, die Armut vertieft und war verbunden mit dem
Verlust von Selbstvertrauen und einer Verringerung der „Beschäftigungsfähigkeit“, denn je
länger ein Mensch ohne Beschäftigung ist, um so schwieriger wird es, wieder einen
Arbeitsplatz zu finden.

Die Kinder aus den ärmsten und schwächsten Familien sind am meisten von dieser Krise
betroffen. Nach Angaben der ILO gefährden die Zunahme von Arbeitslosigkeit und Armut die
Erziehung, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder. Diese Lage könnte alles, was
kürzlich für die Verringerung der Kinderarbeit in der Welt und für den Zugang zur Erziehung
erreicht wurde, zu Fall bringen oder sogar vernichten.

Die Wirtschaftskrise hat auch die Arbeitslosigkeit von Frauen ansteigen lassen, wie es die ILO
in ihrem Jahresbericht „Weltweite Tendenzen in der Beschäftigung von Frauen“ unterstreicht.
Wir stellen auch eine Zunahme von Immigranten fest, die in ihr Herkunftsland zurückgehen und
eine Verringerung der Migrationsströme in die Aufnahmeländer.

Auch die Jugendlichen gehören zu den von der Krise am meisten Betroffenen. Die
Jugendlichen, deren größter Wunsch es ist, ihre Zukunft zu sichern, ihre Familie, ihre
Gemeinschaft und die Gesellschaft zu unterstützen, sehen durch den Mangel an Arbeit ihre
Träume in Rauch aufgehen. Es zählt zu den größten Herausforderungen für die Gesellschaft
und für alle Länder der Welt, jungen Arbeitnehmern Zugang zu stabilen, produktiven und
menschenwürdigen Arbeitsplätzen zu ermöglichen.

Angesichts dieser Situation erheben viele Menschen ihre Stimme gegen eine unerträgliche
Globalisierung.In ihrem internationalen Aufruf für die Einrichtung eines Globalen Pakts für
Beschäftigung, forderte die ILO im vergangenen Jahr, dass gerechte Handeln und
Nachhaltigkeit die Grundlagen einer globalen Wirtschaft sein müssten, und sie bekräftigte, dass
die Anerkennung und der Einsatz von Mechanismen des sozialen Dialogs, einschließlich
Kollektivverhandlungen von grundlegender Bedeutung sind. Sie unterstreicht, dass der soziale
Dialog ein unschätzbarer Mechanismus für die Ausgestaltung von politischen Strategien ist, die
an nationale Schwerpunkte angepasst sind und eine solide Grundlage dafür ist, dass
Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich verpflichten, gemeinsam mit den Regierungen Maßnahmen
zu ergreifen, die für die Überwindung der Krise sowie für nachhaltigen Wiederaufschwung
erforderlich sind.

In einem solchen Umfeld müssen wir als Christen auf die unschätzbaren Aussagen der
Katholischen Soziallehre hinweisen. Rerum Novarum, das erste Dokument der Soziallehre der
Kirche, bezieht sich auf die Arbeiterfrage indem sie ein grundlegendes Kriterium definiert, nach
dem „es niemandem erlaubt ist, die Würde des Menschen, die Gott selbst mit großem Respekt
behandelt, ungestraft zu verletzen“. Sie verteidigt unter anderem das Recht auf Arbeit und
einen gerechten Lohn, das Recht auf Erholung, das Recht auf Vereinigung und den Schutz von
Frauen und Kindern.

Lasst uns diese Krise als eine Gelegenheit ergreifen, das Bewusstsein zu schaffen für die Notwendigkeit
einer grundlegenden Veränderung der Gesellschaft ,vor allem in Bezug auf die Art
und Weise der Organisation der Wirtschaft. Diese Veränderungen sind notwendig im Hinblick
auf die wirtschaftliche und finanzielle Spekulation damit Reichtum und Ressourcen in den
Dienst der Menschen gestellt werden, damit die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter angewendet
werden, um menschenwürdige Arbeit zu erreichen. « Das erste zu schützende und zu
nutzende Kapital ist der Mensch, die Person in ihrer Gesamtheit – ist doch der Mensch Urheber,
Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft » (Enzyklika Caritas in veritate, 25)

Dieser 1. Mai eröffnet für uns einen Horizont der Solidarität mit unseren Arbeitskollegen und
der Hoffnung auf Gerechtigkeit und den Aufbau einer Welt auf der Basis menschenwürdiger Arbeit. Wir wollen eine Wirtschaft, die den Menschen und dem gesellschaftliche Leben dient, die
eine gerechte Verteilung des Reichtums anstrebt und in der das nötige Vermögen erzeugt wird,
um allen erwerbstätigen Frauen und Männern ein Leben in Anstand, Respekt und Würde zu ermöglichen
und die unsere Umwelt schützt. Es handelt sich um eine historische Gelegenheit,
die Zukunft unserer Menschheit zu verbessern.

Weltbewegung Christlicher Arbeiter (WBCA)