Kriterienkatalog für Projekt- und Partnerschaftsförderung
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Wege zu neuen Projekten: Siehe auch unter Projektgruppe.
0. Vorbemerkung
Der Kriterien-Katalog richtet sich am Grundsatzprogramm der KAB Deutschlands und an der Satzung des Weltnotwerks aus. Er soll bei den Entscheidungen über die Förderung von Projekten und Partnerschaften als Richtschnur dienen. Er kann darüber hinaus den KAB-Gliederungen bei ihren Überlegungen zur Beantragung von Fördermitteln eine Hilfestellung bieten.
Es ist wünschenswert, dass alle internationale Hilfe von KAB-Gliederungen über das Welt-notwerk abgewickelt wird, um dessen Bedeutung als „die Solidaritätsaktion der KAB Deutschlands" zu stärken. Dabei kann in Fällen langjähriger Partnerschaften oder für bereits laufende Projekte das Weltnotwerk als Treuhänder für die Weiterleitung von Fördermitteln fungieren. Das Ziel im Sinne der KAB-Solidarität ist aber, dass Spenden für die internationale KAB-Arbeit dem Weltnotwerk als nicht projektgebunden zur Verfügung gestellt werden, damit die Förderung von Maßnahmen und Projekten durch das Weltnotwerk in erster Linie nach den Kriterien der Bedürftigkeit, der Zielorientierung der KAB und der Nachhaltigkeit entschie-den werden kann.
1. Grundsätze
Projekt- und Partnerschafts-Förderung im Weltnotwerk sind Ausdruck der weltweiten Verbundenheit der KAB Deutschlands als Teil der internationalen Arbeiterbewegung.
In Arbeiterbewegungen sieht die KAB eine starke Kraft, um die Kluft zwischen Armen und Reichen zu reduzieren, um soziale Verelendung und steigende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und neue Perspektiven für eine gerechtere Verteilung der Lebenschancen zu eröffnen.
Konsequent versteht sich die KAB als:
- Bewegung der Solidarität mit den Armen,
- Mitträger der „Eine-Welt-Bewegung",
- Internationale Bewegung, die Gegenmacht organisiert, um Gerechtigkeit und Frieden für alle zu erlangen.
Indem die KAB Partnerorganisationen unterstützt, arbeitet sie daran mit, dass die betroffenen Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre Fähigkeiten zu entfalten und menschenwürdig und selbstverantwortlich am öffentlichen Leben teilzunehmen.
(Vergleiche Grundsatzprogramm der KAB Deutschlands [1996], Ziffern 46 bis 49)
Deshalb fördert das Weltnotwerk in erster Linie Projekte in Entwicklungsländern, die der Verbesserung der Lebenslage von Benachteiligten dienen. Dabei steht die Hilfe zur Selbst-hilfe im Mittelpunkt. Es unterstützt den Auf- und Ausbau von Partnerbewegungen. Darüber hinaus leistet das Weltnotwerk im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten in besonderen Notlagen Flüchtlingsfürsorge sowie Hilfe in Not- und Katastrophengebieten. - 2 -
2. Förderung von Projekten
a) Projekt-Inhalte
Projekte sollen die Durchsetzung der Menschenrechte fördern sowie die gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme ermöglichen. Deshalb fördert das WELTNOTWERK Projekte, die insbesondere folgende Inhalte haben:
- den Auf- und Ausbau von Strukturen der Arbeiterbewegung als starker gesellschaftlicher Kraft, z.B. in folgenden Bereichen:
- Führungskräfteschulung,
- Multiplikatorenschulung,
- Verbesserung der internen Kommunikation, - den Auf- und Ausbau von Selbsthilfeeinrichtungen, z.B. in folgenden Projektbereichen:
- Bildung/Weiterbildung,
- Existenzgründungen,
- Produktion mit Schaffung von Arbeitsplätzen,
- Vermarktung/Marketing mit Aufbau von Handelsstrukturen,
- Konsum mit Schaffung von Verbrauchermärkten und Dienstleistungen,
- Technologie mit Aus- und Weiterbildung,
- Finanzierung zum Aufbau von Kleinkreditsystemen,
- Gesundheitsvorsorge.
- Auf- und Ausbau demokratischer Strukturen zum Erreichen von mehr Gerechtigkeit sowie zur Verbesserung der sozialen Stellung der Frau.
b) Projekt-Modalitäten vor Ort:
- langfristige Projektperspektive (nachhaltig, zukunftsfähig, eigenständig),
- demokratische Organisation und Legitimation des Projektpartners,
- kreatives Potential des Projektes (innovativ),
- Eigenbeteiligung der Projektpartner,
- Überprüfbarkeit des Projektfortschrittes und der Mittelverwendung (Evaluierung der Projektergebnisse u.a. durch Vorlage von Berichten; u.U. Einschaltung örtlicher Wirtschaftsprüfer).
c) Einbindung des Projektes in Partnerschaften:
- Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Institutionen der internationalen Partnerschaft (z.B. MISEREOR, BROT für die WELT, MISSIO, Caritas international, Welthungehilfe, oder NRO-Dachorganisationen wie VENRO) sowie mit Partnern hier und vor Ort,
- Einbindung des hiesigen Projektpartners in die Strukturen der KAB Deutschlands e.V.,
- Abstimmung des Projektes mit den Schwesterbewegungen in den Partnerländern und mit dem Generalsekretariat der Weltbewegung christlicher Arbeitnehmer/innen in (WBCA) in Brüssel.
3. Förderung von Partnerschaftsbesuchen
Zu einer echten Partnerschaft gehört der Austausch zwischen den Partnern. Partnerschaft findet daher ihren Niederschlag in vielfältigen regelmäßigen Kontakten, Beziehungen und Begegnungen auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung. Deshalb fördert das Weltnotwerk Partnerschaftsbesuche im Rahmen der folgenden Kriterien:
a) Generelle Voraussetzungen
Zu Partnerschaftsbesuchen gehören
- die gemeinsame Vorbereitung,
- eine Auswertung des Besuches nach Abschluss,
- die Kontinuität des Partnerschaftsgedankens,
- die Verpflichtung zur Ausschöpfung subsidiärer Mittel.
b) Für Besuche in Partnerländern:
- Begründung der Reise aus der Partnerschaft,
- Eigenbeteiligung der Reiseteilnehmer,
- Zumutbare Belastung des Partners,
- Beteiligung der KAB-Gliederung an den Aktivitäten des Weltnotwerks.
Zur Höhe der Bezuschussung gilt grundsätzlich:
- Übernahme der Flugkosten bis maximal zur halben Höhe der tatsächlichen Kosten für drei bis fünf Personen.
- Übernahme der Reise- und Beherbergungskosten für max. zwei Begleitpersonen in den Partnerländern nach Bedürftigkeit.
c) Für Partnerbesuche in der Bundesrepublik Deutschland:
- Begründung der Reise aus der Partnerschaft,
- Eigenbeteiligung der Reiseteilnehmer,
- Zumutbare Belastung des Partners,
Zur Höhe der Bezuschussung gilt grundsätzlich:
- Übernahme der tatsächlichen Flugkosten für bis zu sieben Personen,
- Beteiligung an den Anreisekosten zum Flughafen nach Bedürftigkeit,
- Beteiligung an den Reise- und Beherbergungskosten in der Bundesrepublik, soweit diese Kosten angemessen sind und deren vollständige Übernahme für den Gastgeber unzumutbar ist.
d) Kosten für Dolmetscher/Übersetzungen
Ein evtl. Zuschuss zu den Kosten für Dolmetscher/Übersetzungen ist im Einzelfall vor ihrem Entstehen mit dem Geschäftsführer des Weltnotwerks zu regeln.
Anmerkung: Besuche zur Fortschrittskontrolle bzw. Evaluierung geförderter Weltnotwerk-Projekte fallen nicht unter die Kriterien von Partnerschaftsbesuchen. Ihre Kosten sind beim Projekt zu planen und zu budgetieren, d.h. sie sind Bestandteil der bewilligten Fördersumme.
4. Antrag auf Förderung
Die Beantragung von Fördermitteln ist formgebunden. Interessenten werden die entspre-chenden Formulare auf Abruf durch die Geschäftsstelle des Weltnotwerks zugestellt.
Anträge auf Förderung im Rahmen dieses Kriterienkataloges können stellen:
- der Vorstand des Weltnotwerk e.V.,
- die Mitglieder des Weltnotwerk e.V.,
- Gliederungen der KAB Deutschlands e.V.,
- die kooptierten Mitglieder der KAB Deutschlands e.V. (z.Zt. CAJ und ACLI),
- internationale Hilfsorganisationen mit vergleichbarer Zielsetzung,
- das Generalsekretariat der WBCA in Brüssel.
5. Notfall- und Katastrophenhilfe
Aufgrund seiner Struktur und der beschränkten Mittel kann durch das Weltnotwerk Flüchtlingshilfe nur in Einzelfällen, wenn KAB-Mitglieder oder Personen unserer Partner an Leib und Leben bedroht sind, geleistet werden.
Ähnliches gilt für die Not- und Katastrophenhilfe. Auch hier sollte die Partnerschaftsbezogen-heit im Vordergrund stehen. Das schließt Solidaritätsbeiträge für von Katastrophen betroffene Menschen ohne partnerschaftliche Beziehungen zur KAB nicht aus.
Da es sich um Einzelfallentscheidungen handelt und in der Regel eine zeitliche Nähe der Hilfe zur auslösenden Katastrophe gegeben ist, kann die Vorstandsentscheidung über die Mittelbereitstellung auch im Umlaufverfahren auf telefonischem und elektronischem Weg erfolgen.
Beschlossen durch die Mitgliederversammlung des Weltnotwerk e.V. am 18. Oktober 2005.
Köln, den 18. Oktober 2005
gez. Winfried Fockenberg
(Vorsitzender)

