08.03.2010: Internationaler Frauentag
WBCA -
In diesem März feiern wir 100 Jahre des Aufrufes zum „Internationalen Tage der Frau". Es war 1910, während der Internationalen Konferenz der berufstätigen Frauen in Kopenhagen, als der Vorschlag der deutschen Sozialistin Clara Zetkin angenommen wurde, einen Tag zur Betonung des Kampfes für die Rechte der Frauen, für ihre Beteiligung auf der Grundlage der Rechte des Mannes in der Gesellschaft, in ihrer Arbeit und ihrer gesamten persönlichen Entwicklung, herauszuheben.
Ein Aufruf in Erinnerung an einen uralten Kampf der Geschlechter, auf dessen Weg sich sehr traurige Geschehnisse ereigneten. Eins ist besonders bekannt, das der „ Cotton Textile Factory" bei dem 129 Arbeiterinnen bei einem Brand umkamen, ausgelöst durch Bomben die während eines Streiks, bei dem gegen die schrecklichen Arbeitsbedingungen unter denen man litt, wie niedrige Löhne, lange Arbeitsschichten und Kinderarbeit protestiert wurde, geworfen wurden.
An diesem Tag möchten wir die unermessliche Leistung der Frauen aller Altersschichten anerkennen, die ein Teil ihres Lebens oder ihr ganzes Lebens die Vorkämpferinnen für einen spürbaren Fortschritt in Gerechtigkeit und Gleichberechtigung waren und deren Erfolge nun sichtbar sind. Wir beobachten Fortschritte im sozialen und politischen Bereich, in der Angleichung der Rechte, in der Präsenz von Frauen in wichtigen Machtpositionen und Eroberungen im gesetzgebenden und öffentlichem - politischem Bereich.
Und trotz allem, bleibt es noch ein weiter Weg, bis die Gleichheit in allen Bereichen und Augenblicken des Alltags Realität wird. Es gibt noch zahlreiche Situationen in denen sich die Diskriminierung der Frau fortsetzt, in der sie ungleich behandelt wird, Respekt und Gerechtigkeit fehlen. Es reicht ein Blick hin zu unseren Nachbarinnen, zu den Familien in unserem Wohnviertel, zu unseren Arbeitskolleginnen, zu den arbeitenden Frauen in anderen Kontinenten um festzustellen, dass noch immer Unterschiede, Diskriminierung und Gewalt auf Grund des Geschlechtes existieren.
Wir beobachten, dass sich diese Situation heute, wegen der aktuellen globalen Krise verschärft hat. Ohne Erbarmen trifft sie die Arbeiterklasse, aber auf eine viel brutalere Weise und sehr viel härter, die am leichtesten zu verletzenden und benachteiligten Gruppen, wie es, neben Anderen, die Frauen sind, insbesondere die armen und jungen Frauen, so wie die Migrantinnen.
2009 wurde ein Bericht der ILO „Tendenz der Beschäftigung von Frauen auf Weltebene" veröffentlicht, welcher bestätigt, dass Ungleichheit zwischen den Geschlechtern weiterhin ein weltweites schwerwiegendes Problem auf dem Arbeitsmarkt ist. Die Frauen stoßen weiterhin auf zahlreiche Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt, auf zahlreiche Einschränkungen in Bezug auf die Bereiche wo sie gerne arbeiten möchten und bei den Arbeitsbedingungen in den Bereichen nach denen sie trachten. Im Agrarsektor sind sie überrepräsentiert, sie befinden sich in benachteiligten Positionen weil sie in der Schattenwirtschaft einen größeren Anteil haben, mit instabiler Beschäftigung, niedrigen Einkünften, teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Als Kirche, präsent in der Arbeitswelt, als engagierte christliche Arbeiter können wir uns nicht gleichgültig gegenüber dieser Situation verhalten. Die Anerkennung und der Schutz der Rechte der Frauen im Bereich der Arbeit hängen von der Organisation der Arbeit ab, die die Würde der Frau respektieren muss. (Kirchliche Sozialdoktrin 295). Es ist dringend erforderlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gleichheit der Rechte, Ende der Gewalt zwischen den Geschlechtern zu verlangen. Wir müssen die Gleichheit der Geschlechter innerhalb der Kirche fordern. Der Respekt vor der Eigenständigkeit der Frau und ihr Recht auf Gleichberechtigung der den Kompromiss aller zwischen allen fordert, hat noch einen langen Kampf vor sich. Es ist dringend erforderlich Maßnahmen zum Wechsel der kulturellen Muster zu ergreifen, die entscheidend die Schattenarbeit der Frauen festigen und gleichzeitig zu verhindern, dass die Schattenarbeit noch zunimmt.
Der Bericht der ILO, oben zitiert, endet mit einem Aufruf die Dinge anders zu organisieren: „Die Krise hat die Notwendigkeit deutlich aufgezeigt, dass ein drastischer Wechsel erfolgen muss, der zu nachhaltiger Beschäftigung und zu einer Qualität, die zu einem größeren sozialen Schutz und zum sozialen Dialog beiträgt. Der Soziale Dialog schließt ausdrücklich eine Vertretung der Frauen für die Lösung der Wirtschaftskrise ein und ist im Augenblick notwendiger denn je. Auf der Welt bleibt das enorme Arbeitspotential der Frauen ungenutzt und das wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung wären viel höher, wenn man eine Wirtschafts- und Sozialpolitik realisieren würde, mit dem Ziel allen Frauen die Gelegenheit zu geben eine angemessene Arbeit auszuüben.“
Erleben wir deshalb diesen 8. März gemeinsam und geeint in der Forderung der Frauen auf der ganzen Welt als Zeitpunkt des Wechsels. Tragen wir gemeinsam zu diesem Weg bei, um neue Erfahrungen zu gewinnen und sichtbar zu machen, dass wir Menschen zu einer sozialen Umwandlung fähig sind, wo die Zusammenarbeit vor der Konkurrenz steht, die Gleichheit vor der Ungleichheit, der Gemeinschaftssinn vor dem Individualismus. Praktizieren wir andere Formen der Macht: eine geteilte Macht zwischen Personen und Gemeinschaften, auf der Suche nach neuen Modellen für eine andere Welt, wo es ein erfülltes Leben für alle gibt. Erinnern wir uns, dass „ohne Frauen die Rechte nicht menschlich sind.“
Nur auf diese Weise ist es möglich, in Respekt vor der Vielfalt zu leben und dass die Frau nicht dafür bestraft wird, dass sie eine Frau ist. Es ist eine neue Chance in allen Bereichen des Lebens die Möglichkeiten zu vervielfältigen, den tiefen Sinn der Arbeit wieder herzustellen, welcher der Frau wie dem Mann Würde verleiht und in keiner Weise der Mensch von der Produktion und dem Konsum bestimmt wird.

